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Schwanger fliegen

Kein Problem, wenn man einige Ratschläge beachtet

Schon beim ersten Blick auf den (positiven!) Schwangerschaftstest ist klar: In spätestens neun Monaten macht das Baby Programm. An Urlaub ist dann nicht mehr zu denken, also jetzt noch mal raus und entspannen, eine Flugreise buchen und ab in die Sonne. Genau das trauen sich viele Schwangere aber nicht: Sie haben Angst, daß das Fliegen dem Ungeborenen schaden oder sogar eine Fehlgeburt auslösen könnte.

Jeder rät etwas anderes

Einige Gynäkologen raten, während der ersten drei Schwangerschaftsmonate am Boden zu bleiben, andere empfehlen, während der ganzen Schwangerschaft nicht mehr in Flugzeug zu steigen, und wieder andere geben grünes Licht bis kurz vor der Geburt. Jeder rät etwas anderes , sagt Professor Renate Huch von der Universitätsklinik Zürich, die die Gesundheit Schwangerer beim Fliegen seit den 70er Jahren erforscht. Fakt ist: Niemand konnte bisher einen Zusammenhang zwischen Fehlgeburten- oder Fehlbildungsrate und dem Fliegen beweisen.

Auch längere Flüge kein Problem

Wer von der Flugreise abrät, bringt vor allem ein Argument: Die Atemluft in der Maschine enthält weniger Sauerstoff, in der Kabine herrscht ein niedriger Luftdruck als am Boden. Dadurch gelangt auch weniger Sauerstoff ins Blut der Passagiere. Damit sich der Fötus problemlos entwickelt, braucht er aber reichlich Sauerstoff. Sind Ungeborene also flugtauglich? Um das herauszufinden, hat Renate Huch zehn Schwangere bei 20 Flügen quer durch Europa total verkabelt. Das überraschende Ergebnis: Egal, ob bei Start, Landung oder auf voller Flughöhe, das Herz des Embryos schlug genauso schnell wie zu ebener Erde Ð ein sicheres Zeichen dafür, daß es optimal mit Sauerstoff versorgt wurde. Selbst Langstreckenflüge seien kein Problem, sagt die Professorin. Vorausgesetzt allerdings, Schwangere trinken ausreichend ( zwei Liter auf einem Zehnstundenflug). Ihr Blut verdickt sich nämlich besonders leicht, im schlimmsten Fall droht das sogenannte Economy Ð Class Ð Syndrom Ð gefährliche Durchblutungsstörungen in den Beinen.

Strahlung nicht gefährlich

Und wie sieht es aus mit der kosmischen Strahlung? Die gelangt aus dem Weltraum zur Erde und ist um so stärker, je höher man kommt. Unbestritten ist, dass die radioaktiven Strahlen das Erbgut schädigen können und dass Ungeborene empfindlicher sind als Erwachsene. Größere Studien, die einen Effekt beweisen oder ausschließen würden, gibt es allerdings nicht, sagt Renate Huch. Nur theoretische Berechnungen. Danach erhöht sich das Risiko, dass das Kind mit einem Geburtsfehler zur Welt kommt, bei sehr häufigen Flügen um Bruchteile eines Prozents.

Fliegen bis kurz vor der Geburt möglich

Huchs Bilanz: Selbst auf langen Strecken sei Fliegen für Schwangere die komfortabelste und sicherste Reisemöglichkeit. Einzige Einschränkung: Wer zu Früh- oder Fehlgeburten neigt, blutarm ist, während der Schwangerschaft raucht, an Herz- Kreislauf Ð Beschwerden oder Flugarzt leidet, sollte vorher zum Arzt. Medizinisch gesehen steht dem Urlaub also nichts mehr im Wege. Und juristisch sowieso nicht: Die Lage ist ganz klar sagt Dr. Lutz Bergau, Leiter des Medizinischen Dienstes von Lufthansa und Condor und Präsident der Airlines Medical Directors Association (die weltweite Organisation aller flugmedizinischen Dienste). Jede Fluggesellschaft nimmt bis vier Wochen vor dem Geburtstermin Schwangere mit Ð eine unkomplizierte Schwangerschaft vorausgesetzt. Danach wird in der Regel ein ärztliches Attest verlangt. Meine r Tochter würde ich das Attest zumindest für kurze Flüge ausstellen, solange nichts Auf eine beginnende Geburt hinweist und sie sich beim Gedanken ans Fliegen wohl fühlt sagt Renate Huch. Und auch Lutz Bergau gibt sich gelassen: Die sieben Babys, die seit 1956 an Bord von Lufthansamaschinen zur Welt kamen, waren alle kerngesund und putzmunter.

Tips für die Reise

  • Sitz am Gang oder besser noch in der Businessclass buchen, dann haben die Beine mehr Platz. Füße immer wieder kreisen lassen, Muskeln kurz anspannen, im Flugzeug auf und ab gehen.
  • Auf Langstreckenflügen Kompressionsstrumpfhosen tragen.
  • Lieber abends fliegen. Im Dunkeln sieht man den Horizont nicht schaukeln, das kann Übelkeit verhindern.